Partnerberatung

  • Partner verstricken sich oft in Beziehungsschwierigkeiten. Im Gespräch mit einer aussenstehenden Fachperson können sich eher neue Wege öffnen. 
  • Das Problem ist meist nicht das Problem, sondern der Problemlösungsversuch wird letztlich zum Problem (Watzlawick). Damit Paare anstehende Probleme gemeinsam lösen können, müssen sie miteinander kommunizieren. Durch die Partnerberatung werden Paare in diesen Kompetenzen unterstützt.
  • Die Zielrichtung der Partnerberatung ist immer die Förderung von Autonomie der beiden Partner.
  • Die Teilnahme an einem Einführungskurs in Transaktionsanalyse 101 kann diesen Entwicklungsprozess verstärken. Die vermittelten Konzepte helfen dem Paar die Situation zu verstehen und neue Lösungen zu finden. 
  • Anmeldung zum unverbindlichen Erstgespräch füreine Partnerberatung telefonisch 071 / 222 20 32 oder mit dem Kontakt Mail

Beziehungsbedürfnisse (Richard G Erskine)
Beide Partner haben mehr oder weniger ausgeprägt die gleichen Beziehungsbedürfnisse.

1. Bedürfnis nach Sicherheit
Das bedeutet: respektvolle nicht beschämende Transaktionen, frei von augenblicklichen oder vorhersehbaren Übergriffen oder Gefahren (physisch und emotional).

2. Bedürfnis wertgeschätzt, bestätigt und bedeutsam zu sein
Bejahung von Gefühlen, Fantasien und Sinnbildung erfahren. Diese austauschen können und sich damit verstanden fühlen. 

3. Schutz erhalten und angenommen sein 
Von einer starken, verlässlichen, vertrauenswürdigen, Schutz gebenden Person angenommen sein und geführt werden, gehört zu den grundlegenden Beziehungsbedürfnissen.

4. Bestätigung persönlicher Erfahrungen
Dahinter steht der Wunsch, mit jemandem zusammen zu sein, der ähnliche Erlebnisse hatte und durch dessen Sich-Mitteilen die eigene Erfahrung bestätigt wird.

 5. Selbst-Definition
Die selbst gewählte Identität, Vorlieben, Interessen und Ideen offenbaren können. Es ist das Bedürfnis, in seiner Einmaligkeit akzeptiert zu werden.

 6. Beim Gegenüber etwas bewirken können
Einfluss und Wirkung auf jemand anderes zu haben. Sich in der Beziehung als kompetent erfahren können und so die Aufmerksamkeit und das Interesse des anderen zu gewinnen.

7. Auch der andere möge die Initiative ergreifen
Wenn dieses Bedürfnis befriedigt ist werden Beziehungen bedeutsamer und erfüllter. Gerade dieses Auf-jemanden-Zugehen vermittelt dieser Person ein Gefühl der Wertschätzung.

 8. Liebe ausdrücken
Dies ist ein ganz wichtiger Teil in Beziehungen. Häufig wird die Bedeutung des Bedürfnisses Liebe zu schenken zu wenig beachtet.

 Literatur
Kiltz, R. R. (2008). Richard G. Erskine, Beziehungsbedürfnisse. In U.  Müller (Hrsg.) Zeitschrift für Transaktionsanalyse; Paderborn.

 

Beispiel einer Paarberatung aus meiner Praxis

Erstkontakt

Herr Y meldete sich telefonisch bei mir, da er sich mit seiner Frau einigte, einen Paartherapeuten aufzusuchen. Ich fragte kurz nach der gegenwärtigen Situation. Das Paar ist seit 25 Jahren verheiratet. Er ist 47, sie 52 Jahre alt. Beide sind berufstätig, und sie sind kinderlos. Er sei vor ca. 3/4 Jahren eine Aussenbeziehung eingegangen, und er wie auch seine Frau wissen nicht mehr ein und aus. Die Frau sei sehr enttäuscht, und sie können nicht mehr miteinander über diese Angelegenheit sprechen. Es bedürfe aber dringend einer Klärung dieser Situation, denn so könne es unmöglich weiter gehen. Es gehe ihm aber insbesondere auch um das Wohl seiner Frau, denn diese sei sehr introvertiert, könne nicht so recht aus sich heraus, das sei schon immer so gewesen, und er mache sich Sorgen um sie. Auf Grund dieser Angaben vereinbarten wir ein Erstgespräch.

Erstgespräch

Beide Ehepartner erschienen zum ersten Gespräch. Beide schienen etwas zaghaft und unsicher zu sein. Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie fachliche Hilfe suchten. Ich erklärte ihnen, dass das erste Gespräch dazu diene, uns und das bestehende Problem kennen zu lernen, damit  weitere Abmachungen getroffen werden können. Dazu forderte ich sie auf, dass beide aus eigener Sicht mögliche Zielsetzungen für eine Beratung zu formulieren. Sie  waren sich rasch einig, dass das Ziel der Beratung eine Entscheidungsfindung für die gegenwärtige Situation sei, was dies auch immer beinhalten möge. Mögliche Lösungen wären: Trennung, Scheidung oder ein neues Zusammenfinden. Ich konnte mich mit dieser Abmachung einverstanden erklären, da sie wirklich alles offen lässt. Ich erklärte, dass es mir wichtig scheine, den Fokus nicht auf die Aussenbeziehung zu richten, sondern auf ihre Beziehung. Dies gab anfänglich Missverständnisse, da beide meinten auch Gefühle, die mit der Aussenbeziehung etwas zu tun haben und die in die Paarbeziehung hineinwirken, würden tabuisiert. Nachdem diese Missverständnisse geklärt wurden, konnten wir uns einigen, dass ihre Paarbeziehung und ihre Geschichte in dieser Beratung Priorität geniesse und dass über Gefühle in Bezug auf diese Aussenbeziehung selbstverständlich gesprochen werden dürfe, da sie ja in die Gegenwart ihrer jetzigen Beziehung hineinwirken. Für die Frau war klar, dass sie eine Dreiecksbeziehung des Mannes nicht akzeptieren will, weil sie das nicht ertragen könnte. Der Mann müsse sich also in diesem Beratungsprozess entscheiden. Auch der Mann könnte, laut seinen Äusserungen, diese Situation nicht länger ertragen, aber diese Entscheidung sei genau sein Problem.

Wir vereinbarten 5 Sitzungen à 1 1/2 Std.mit14 tägl. Intervallen.

Ausschnitt aus dem 1. Beratungsgespräch (von Mundart ins Deutsche übersetzt)

Klientin: äussert Schuldgefühle, sicher sei sie eine zuwenig gute Partnerin, sie sei halt so "verklemmt", aber trotzdem hätte sie nie erwartet dass ihr Mann sich in eine andere Frau verliebe. Ein kurzer Seitensprung wäre für sie nicht so schlimm gewesen, aber dass er sich richtig verliebte. Klientin: weint, schämt sich ihrer Tränen. Sie hasse diese Frau richtig, habe schon Pläne geschmiedet, ihr aufzulauern, natürlich mache sie das nicht wirklich, aber in ihrer Phantasie könnte sie sie umbringen. Sie sei richtig erschrocken über ihre Phantasien. Berater: gibt ihr zu verstehen, dass er ihre Gefühle verstehe und diese auch OK finde. Gefühle und die daraus resultierenden Phantasien seien ja nicht das Gleiche wie Taten.

Klient: erklärte wie schwierig die bevorstehende Entscheidung für ihn sei. Er habe ja seine Frau auch lieb, aber ihm sei, als ob er seit langem erst zu leben begonnen hätte. Er habe wieder Energie und Freude.

Berater: "Sind Sie denn vorher depressiv gewesen, dass Sie so keinen Antrieb verspürten?"

Klient: (überlegt lang) "Ich habe mir das nie so überlegt, aber es könnte sein, ich habe mich überhaupt nicht mehr gespürt, ich habe im Alltag nur so funktioniert ohne jegliche Freude und Antrieb, habe versucht so gut wie möglich meine Pflichten zu erledigen. Dann bin ich dieser Frau begegnet, es war in einem Weiterbildungskurs der Arbeitslosenversicherung, und ich hatte seit langem wieder einmal das Gefühl, dass ich lebe."

Berater: "Wie lange genau sind Sie so ohne Lebensfreude gewesen?"

Klient: (überlegt und sagt dann ohne zu zögern) "Es sind 20 Jahre".

Berater: "Was ist denn vor 20 Jahren passiert?"

Klient: erzählte, dass sie vor 20 Jahren in das Haus des Schwiegervaters zogen und der Schwiegervater sei so ein Tyrann gewesen. Es sei seine Schuld gewesen in dieses Haus zu ziehen, seine Frau hätte das nicht gewollt, aber er habe sie bedrängt. Der Schwiegervater habe ihnen versprochen das Haus an sie zu überschreiben, wenn sie in die untere Wohnung einziehen. Die Schwiegereltern lebten in der oberen Wohnung. "Und bis dahin hatten wir, meine Frau und ich eine gute Zeit, die ersten 5 Jahre unserer Ehe waren gut, bis wir in dieses Haus zogen. Ich hätte es ja wissen müssen, denn wir wurden von Anfang an weitgehend vom Schwiegervater bestimmt. Er kam schon vor der Hochzeit beim Einkauf unserer Möbel mit und bestimmte weitgehend was wir zu kaufen hätten. Als wir noch im selben Haus wohnten, mischte er sich in alles hinein, er bestimmte sogar was wir im TV zu schauen haben. Ein Spaziergang ohne Schwiegervater war die grosse Ausnahme."

Klientin: (nickt und bestätigt)" Ja, mein Vater war ein absoluter Tyrann, nur seine Sichtweise hatte Gültigkeit, und darum wollte ich nicht in das gleiche Haus ziehen. Ich hatte nur eingewilligt weil mein Mann sich freute einmal Hausbesitzer zu werden. Später wollte Vater das Haus trotzdem nur auf meinen Namen überschreiben, was dann auch geschah."

Berater an den Mann geichtet: "Haben Sie sich denn nicht gewehrt gegen diese Tyrannerei?" 

Kient: "Ich bin ganz anders aufgewachsen, meine Mutter sagte uns Kindern mmer, und wir waren 5, ihr müsst selber verantworten was ihr macht, ihr müsst euch so verhalten, ass ihr niemandem etwas zu Schulden kommen lasst. Das hatte gewirkt, sie musste uns nicht kontrollieren zB. wenn wir vom Ausgang heimkamen. Obwohl sie sicher oft Angst um uns hatte, liess sie uns die Selbstverantwrtung".

Berater: "Hiesse Selbstverantwortung übernehmen nicht auch sich wehren, wenn etwas nicht in Ordnung ist? Bedeutete Selbstverantwortung für ihre Mutter vielleicht eher:" mach es allen recht, dann kann dir nichts passieren", oder:" mach es so wie ich es will?"

Klient: "Ja, wenn ich so überlege, ist es so".

Kommentar

Bei der Auswertung stellte ich fest, dass ich nicht genau nachgefragt hatte was wirklich zutraf:" mach es allen recht", oder: " mach es so wie ich es will"; mach es der Mutter recht. Die Art des Erzählens wie auch inhaltliche Aspekte unterstützten aber meine Hypothese, dass beide Botschaften wirksam waren, die schliesslich zur Trübung über den Inhalt des Wortes Selbstverantwortung führten.

Fortsetzung des Gesprächs

Berater: "Rücksicht ist sicher oft wichtig, aber nicht auf Kosten aller meiner Lebensgeister".

Berater, an beide:" Habt Ihr damals miteinander darüber gesprochen?"

Sie: " Ich war so in einer auswegslosen Situation, ich musste es meinem Vater recht machen, denn er war sehr brutal, er schlug mich noch als ich längst erwachsen war, und meinem Mann hätte ich es auch gerne recht gemacht, wusste aber nicht wie, ich hatte Angst vor der Reaktion meines Vaters wenn es Konflikte gegeben hätte, darum habe ich lieber geschwiegen".

Er: "Ich sagte ihr  anfangs schon, dass ich nicht zufrieden sei, aber als sie schliesslich nie für mich einstand, glaubte ich, dass sie gar nicht zu mir stehe".

Berater: "Ist also jedes mit seinem Ärger, seinen Phantasien und Ängsten alleine geblieben, und Ihr habt all die Jahre nicht darüber gesprochen, was damals war?"

Sie: "Als Vater gestorben war, liessen wir das Haus auf uns beide überschreiben".

Er: "Das war schon recht, verursachte aber sehr viel unnötige Kosten".

Berater: "Ich wollte eigentlich wissen, ob Ihr all die Jahre nicht miteinander über diese Angelegenheiten gesprochen habt?"

Sie: "Nein, dem sind wir ausgewichen".

Er: (nickt)

Kommentar

Bei meiner letzten Intervention konfrontierte ich die ausweichenden Antworten von den Beiden, da sowohl er wie auch sie meine Frage ignoriert hatten. Sie blockierten also meine Transaktion, um Eingeständnisse zu vermeiden. Das Eingeständnis fand ich etwas ganz Zentrales, da es auch die Einsicht in ihre Passivität beinhaltete.

Ausschnitt aus dem 2. Beratungsgespräch (von Mundart ins Deutsche übersetzt)

Berater, an beide: "Wie geht es euch?"

Er: "Es geht recht gut, ich habe diese Beziehung abgebrochen, will aber nicht sagen, dass es mich nicht auch schmerzte oder es nicht immer noch weh tut. Ich habe mich entschieden, weil ich es richtig fand, weil wir, ich und meine Frau, anfangen über wichtige Dinge zu sprechen und weil 25 Jahre nicht einfach ausgelöscht werden können. Es ist mir trotz des Abschiedschmerzes viel wohler, weil ich mich entschieden habe, und weil ich jetzt weiss in welche Richtung ich will."

Sie: "Wir sind kürzlich 3 Stunden am See auf einem "Bänkli" gesessen und haben miteinander geredet. Wir haben über alles was früher nicht gesagt wurde, gesprochen. Ich habe mich auch entschlossen mich zu verändern, ich will nicht mehr so "verklemmt" sein.

Berater: "Wie drückt sich denn das "Verklemmtsein" aus? Was wollen sie denn verändern?"

Er: (gibt für sie Antwort)"Sie ist furchtbar unsicher und getraut sich kaum unter die Leute, sie hat überhaupt kein Selbstbewusstsein und ist gehemmt."

Berater: "Lassen sie doch ihre Frau selber erzählen, wenn sie sicherer werden will".

Kommentar

Wenn der Mann Antwort gibt für die Frau, ist dies meines Erachtens eine Einladung in die Symbiose. Er verhält sich so, als ob seine Frau nicht in der Lage wäre, meine Frage selber zu beantworten. In den folgenden Transaktionen verfolge ich das Ziel, die Symbiose aufzulösen.

Fortsetzung des Gesprächs

Sie: "Ja, da hat mein Mann schon recht, ich bin furchtbar gehemmt, getraue mich kaum in ein Restaurant oder wenn ich mit Leuten zusammen bin, getraue ich mich oft nicht, etwas zu sagen. Ich sehe ja ein, dass ich das verändern muss, das hat mein Mann immer gesagt."

Berater: "Wollen Sie es verändern, weil es der Mann gesagt hat, oder wollen sie es verändern für sich?"

Sie: "Nachdem sich mein Mann eine Geliebte genommen hat sehe ich ein, dass ich etwas verändern muss. Vorher habe ich das zuwenig ernst genommen."

Kommentar

Die Frau hat mir keine Antwort auf meine Frage gegeben, also meine Transaktion blockiert. Diese Blockierung ist mir während des Gesprächs entgangen.

Fortsetzung des Gesprächs

Berater: "Was heisst das genau?"

Sie: "Mein Mann hat schon immer gesagt, ich müsse diese Angst überwinden, und er hat mir auch immer Ratschläge gegeben, aber ich habe sie zuwenig ernst genommen, und ich habe mir das auch nicht zugetraut, und es wurde immer schlimmer."

Berater: "Wollen Sie für sich etwas verändern?"

Sie: "Ja, ich will es für mich tun, es wäre mir ja auch wohler, wenn es anders wäre.

Berater: "Ich kann mir vorstellen, dass wenn Sie ihr Mann kritisiert und ihnen Ratschläge erteilt, dass Sie sich ähnlich fühlten wie als Kind ihrem Vater gegenüber, also nicht OK. und dass dieses nicht OK.- Gefühl für ihr Vorhaben ja erst recht hinderlich wirkt - ein Teufelskreis. Ihr Mann müsste aufhören, Ihren Therapeuten zu spielen, sagen Sie es ihm mal!"

Sie: "Er meint es ja nur gut, er ist nicht so wie mein Vater."

Berater: " Ich bin überzeugt, dass er es gut meint, aber die Wirkung ist nicht gut, darum sagen Sie ihm doch, dass er aufhören soll, ihr Therapeut zu sein. Auch weil er nämlich nicht Partner und Therapeut gleichzeitig sein kann."

Sie zu ihm: "Du brauchst nicht mehr mein Therapeut zu sein, ich weiss, dass du es gut gemeint hast."

Berater, zu ihr: " Jetzt können Sie nämlich ihren eigenen inneren Therapeuten mobilisieren, der weiss schon was richtig ist."

Sie: (lacht ein befreiendes Lachen).

Er: "Ich glaube wirklich, begriffen zu haben, um was es geht. Ich wollte dir helfen, deine Schwierigkeiten zu überwinden. Solch ein Vater muss ja jegliches Selbstwertgefühl zerstören. Ich wurde schon einwenig der Therapeut, vor allem zu Beginn unserer Beziehung wollte ich helfen und wurde dann enttäuscht, dass es mir nicht gelang."

Berater: "So können Sie jetzt aufhören, der Therapeut ihrer Frau zu sein und dafür ihr Partner werden?"

Er: "Ich werde es versuchen, vielleicht werde ich manchmal auch rückfällig aber......"

Berater: "Vielleicht kann Ihnen die Frau helfen, wenn sie rückfällig werden, sie könnte ja z.B. sagen:" du bist nicht mein Therapeut, ich will keinen Ratschlag, sondern nur etwas erzählen". An Stelle von Ratschlägen könnten sie ihre Frau ja einfach umarmen."

Beide: (lachen).

Analyse

Dem Ehepaar Y gelang es nicht, sich als Paar von den Eltern und Schwiegereltern abzugrenzen und ein gesundes eigenes "Programm Ehe" zu entwickeln.

Die Beziehungsstruktur erweist sich als vorwiegend symbiotisch mit wechselnden Rollen. Wenn der Mann seine Fähigkeiten, etwas zu verändern abwertet, verhält er sich der Frau gegenüber so wie früher bei seiner Mutter: So wie sie es möchte, so wird es gemacht.

Die Antriebsarmut des Mannes rief oft das fürsorgliche Eltern-Ich der Frau auf den Platz. Auch in der Sache dieser Aussenbeziehung wirkte sie oft wie eine fürsorgliche Mutter, die viel Verständnis aufbrachte für ihren "Sohn", der in dieser Situation ja wirklich keine andere Möglichkeit gehabt hätte die Probleme anders zu lösen. Aus dieser Optik klagte sie sich zwischendurch auch wieder selbst an. Da der Mann seine Blickrichtung auf die Pathologie seiner Frau zu fixieren begann, wurde er deren Erzieher was nicht OK - Gefühle der Frau reaktivierte und somit auch die Symptomatik verstärkt. Die Rettungsaktion des Mannes misslang, und er wechselte abwechslungsweise in Verfolger und Opferposition, aber eher in eine stille, heimliche Verfolgerposition in der er "Rabattmarken" sammelte. Offene Auseinandersetzungen gab es bei den Beiden kaum, so könnte die Aussenbeziehung des Mannes durchaus auch als Einlösung der gesammelten „Rabattmarken“ betrachtet werden. So wie ich die Situation einschätze, erlebten die Beiden in den letzten 20 Jahren nie wirkliche Intimität. Wenn es den Beiden gelingt, etwas mehr Autonomie und dabei etwas mehr Intimität zu leben, haben sie meines Erachtens viel erreicht.

Entwicklung und Verlauf der Beratung

Die drei weitern vereinbarten Sitzungen dienten der Reflexion des Paares. Die neuen Erkenntnisse und die daraus resultierenden Zielsetzungen, (die symbiotische Beziehungsstruktur aufzulösen zu Gunsten von mehr Autonomie), wurden in diesen Gesprächen überprüft. Ich arbeitete auch mit Hausaufgaben z.B. führte die Frau ein Journal, indem sie die erzielten Erfolge (sich nicht klein machen) verbuchte. Der Mann führte ein Journal, indem er seine Erfolge verbuchte, (wenn er bewusst nicht in die korrigierende, erzieherische Rolle schlüpfte, beschrieb er kurz die Situation). Beide genossen ihre Erfolge und berichteten in den Sitzungen ausführlich darüber. Sie erzählten auch von vielen gemeinsamen Unternehmungen und wie sie sich fast wieder neu verliebten, stundenlange Spaziergänge machten.